Ein gut gepflegtes Pferd ist gesünder, leistungsfähiger und kommt besser mit Menschen zurecht – Pflege ist kein Luxus, sondern tägliche Gesundheitsvorsorge.
Pferdepflege umfasst weit mehr als Bürsten und Hufe auskratzen. Wer sein Pferd täglich sorgfältig pflegt, erkennt Verletzungen, Verspannungen und Krankheiten frühzeitig – oft bevor sie teuer werden. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Pflegebereiche zusammen und erklärt, was wirklich zählt.
Wie pflegt man das Fell eines Pferdes richtig?
Das Fell wird täglich mit Striegel und Kardätsche gereinigt. Die richtige Reihenfolge: Gummistriegel kreisförmig gegen den Strich, dann Kardätsche mit dem Strich, abschließend Fell- oder Glanzspray. Schwanz und Mähne werden mit einem groben Kamm oder der Hand entwirrt – niemals mit dem Metall-Striegel.
Tägliches Bürsten entfernt nicht nur Schmutz, sondern fördert auch die Durchblutung der Haut und stärkt die Bindung zwischen Mensch und Pferd. Empfindliche Stellen wie Bauch, Beine und Kopf werden mit dem weichen Gummistriegel oder einer Körperbürste bearbeitet – der Metallstriegel tut hier weh. Nach dem Reiten sollte das Pferd vollständig vom Schweißsattelabdruck gereinigt werden: Schweiß, der im Fell trocknet, verursacht Juckreiz und kann zu Hautproblemen führen.
Wie reinigt und pflegt man Pferdehufe täglich?
Hufe werden vor und nach jedem Ritt mit dem Hufkratzer von innen nach außen ausgemistet – von der Trachte zur Zehenspitze, dabei den Strahl aussparen. Die Sohle wird auf Steine, Druckstellen und Verfärbungen kontrolliert.
Der Hufkratzer ist das wichtigste Werkzeug in der Putzbox: Steine im Huf können bei Belastung die Sohle verletzen oder auf das Hufbein drücken. Schwarze, weiche oder übel riechende Stellen am Strahl sind typische Zeichen von Strahlfäule – einem häufigen Problem bei feuchter Haltung. Hufpflegeöl kann sinnvoll sein, wenn die Hufe trocken und rissig werden, hat aber keinen magischen Effekt auf gesunde Hufe. Hufschmied-Intervalle: alle 6–8 Wochen Hufpflege, ob beschlagen oder nicht.
Wie pflegt man Augen, Nüstern und Maul des Pferdes?
Augen und Nüstern werden täglich mit einem feuchten, weichen Schwamm gereinigt – immer separate Schwämme für Kopf und Hinterhand verwenden. Sekret und Krusten werden sanft entfernt, ohne zu reiben.
Ansammlungen von Sekret rund um die Augen können auf Allergien, Zugluft oder Augenprobleme hinweisen – wenn ein Auge dauerhaft läuft oder gerötet ist, sollte ein Tierarzt gerufen werden. Nüstern und Maulwinkel sammeln Schmutz, Futter- und Speichelreste – besonders nach dem Reiten. Das Maul selbst sollte regelmäßig auf Zahnprobleme kontrolliert werden: rauer Kaurhythmus, Futter-Herausfallen oder Kopfschütteln beim Reiten können Zahnprobleme signalisieren. Zahnkontrolle durch einen Pferdetierarzt: mindestens einmal jährlich.
Wie pflegt man Mähne und Schweif eines Pferdes?
Mähne und Schweif werden mit den Fingern oder einem groben Weitstahnkamm entwirrt – immer von unten nach oben arbeiten, nie von der Wurzel aus durchkämmen. Regelmäßiges Einsprühen mit Entwirrungsspray erleichtert die Pflege und reduziert Haarbruch.
Der Schweif ist besonders empfindlich: Zu aggressives Kämmen bricht viele Haare ab – ein Schweif, der einmal ausgedünnt ist, braucht Jahre zum Nachwachsen. Schweife können gegen Verschmutzung in Schweiftaschen oder Bandagen eingewickelt werden, wenn das Pferd auf der Weide steht. Mähnen, die geflochten werden sollen (Turnier), brauchen regelmäßige Pflege: täglich kämmen, nicht flechten wenn es nicht nötig ist, und Mähnenöl sparsam einsetzen.
Wie erkennt man beim Putzen Verletzungen und Gesundheitsprobleme?
Tägliches Putzen ist die beste Gesundheitskontrolle: Man bemerkt Schwellungen, Wunden, Druckstellen, Wärme in Gelenken, Veränderungen im Verhalten oder im Fell oft Tage bevor klinische Symptome auftreten.
Die Hände sind das wichtigste Diagnosewerkzeug: Mit der flachen Hand über Rücken, Kruppe und Beine streichen gibt Aufschluss über Wärmenester (Entzündung), Verhärtungen (Verspannung) oder Schwellungen (Verletzung). Ein Pferd, das beim Bürsten plötzlich an einer Stelle ausweicht oder mit den Ohren anlegt, hat dort möglicherweise einen Schmerzpunkt – das sollte ein Tierarzt oder Physiotherapeut beurteilen. Nach dem Reiten immer alle vier Beine und Hufe auf Wärme, Schwellung und Verletzungen kontrollieren.
Fazit: Pferdepflege als tägliche Gesundheitsroutine
Wer sein Pferd täglich sorgfältig pflegt, spart langfristig Tierarztkosten und baut eine belastbare Vertrauensbasis mit dem Tier auf. Konsequente Routine, scharfe Beobachtung und das richtige Werkzeug machen den Unterschied zwischen Pflege als Pflicht und Pflege als echter Fürsorge.

