Home » Reiten » Reiten im Winter: Aufwärmen, Ausrüstung und Sicherheit bei Kälte

Reiten im Winter: Aufwärmen, Ausrüstung und Sicherheit bei Kälte

eingetragen in: Reiten

Reiten im Winter ist möglich und macht Spaß – aber nur mit der richtigen Vorbereitung für Pferd und Reiter, angepasstem Aufwärmprogramm und klaren Regeln für Frost und Eis.

Viele Reiter reduzieren ihr Training im Winter auf ein Minimum oder hören ganz auf – das ist für Pferd und Reiter eine verpasste Chance. Mit den richtigen Maßnahmen kann man auch bei Minusgraden sicher und effektiv reiten. Dieser Artikel erklärt, worauf es im Winter beim Reiten wirklich ankommt.

Ab welcher Temperatur sollte man nicht mehr reiten?

Eine absolute Temperaturgrenze gibt es nicht – entscheidend sind Bodenverhältnisse, Wind und der Gesundheitszustand des Pferdes. Bei eisigen Böden, starkem Wind oder Temperaturen unter -10 °C sollte man das Reiten im Freien vermeiden und auf die Halle ausweichen oder pausieren.

Pferde können bei Kälte problemlos bewegt werden – ihr Atemtrakt und Kreislauf sind auf kaltes Klima ausgelegt, wenn man sie langsam aufwärmt. Gefährlich sind vereiste Böden (Sturz- und Verletzungsrisiko für Pferd und Reiter), starker Wind kombiniert mit Kälte (Unterkühlung nach dem Schwitzen) und abrupte Belastungswechsel ohne Aufwärmen. Ein Pferd, das bei -15 °C im Galopp ohne Aufwärmen auf hartem Boden geritten wird, ist einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Wie wärmt man ein Pferd im Winter richtig auf?

Im Winter muss das Aufwärmen länger dauern als im Sommer: mindestens 15–20 Minuten ruhiger Schritt, bevor Trab oder Galopp gefordert werden. Bei sehr niedrigen Temperaturen kann das Aufwärmen 25–30 Minuten dauern.

Muskeln, Sehnen und Gelenke brauchen bei Kälte deutlich länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen – das Verletzungsrisiko bei zu früher Belastung ist im Winter erheblich höher. Aufwärmen bedeutet echtes Losreiten im Schritt mit viel Vorwärtsschwung – kein schlaff baumelndes Dahinschlendern, aber auch kein Halten oder Durchparieren in den ersten Minuten. Wenn eine Halle vorhanden ist, dort aufwärmen – draußen bei Wind dauert es länger, bis das Pferd warm ist.

Was muss man beim Abkühlen nach dem Reiten im Winter beachten?

Nach dem Reiten im Winter muss das Pferd vollständig abgekühlt und getrocknet sein, bevor es in die Box oder auf die Weide geht. Eine Abschwitzdecke hilft, das Schwitzen zu regulieren und das Fell beim Abkühlen zu schützen.

Ein schweißnasses Pferd, das in der Kälte steht oder in eine kalte Box gestellt wird, kühlt durch das nasse Fell extrem schnell aus – das ist eine häufige Ursache für Erkrankungen der Atemwege und Koliken im Winter. Ausreiten im Schritt nach dem Training (mindestens 10–15 Minuten), dann Abschwitzdecke anlegen und in Bewegung halten bis das Fell trocken ist. Erst dann: Decke abnehmen, Fell kontrollieren und bei Bedarf Stalldecke anlegen.

Welche Ausrüstung braucht der Reiter im Winter?

Für das Winterreiten braucht der Reiter: Thermoreithose oder gefütterte Reithose, wärmendes Funktionsunterhemd, Winterreithose oder gefütterte Reithosen, gefütterte Reitstiefel oder Stiefeletten mit Thermostrümpfen, Winterreithandschuhe und eine winddichte Reitjacke.

Kalte Füße sind das größte Komfortproblem beim Winterreiten – wenn die Füße nicht mehr gespürt werden, gehen die Steigbügel verloren und die Kontrolle nimmt ab. Gefütterte Reitstiefel oder Stiefeletten mit Thermosocken helfen; für extreme Kälte gibt es spezielle Überstiefel für den Steigbügel. Layering funktioniert beim Reiten besser als ein dicker Pullover: Funktionsunterwäsche die Feuchtigkeit ableitet, Mittelschicht die wärmt, winddichte Außenschicht. Baumwolle direkt auf der Haut ist beim Sport im Winter ungeeignet, weil sie Schweiß aufnimmt und kalt bleibt.

Wie pflegt man das Pferd nach dem Winterreiten?

Nach dem Winterreiten: Sattel und Trense ablegen, Pferd gründlich abreiben wenn nass, Abschwitzdecke anlegen, im Schritt abkühlen, Hufe auskratzen, Beine auf Schwellungen und Wärme kontrollieren, erst dann einstallen.

Das Fell unter dem Sattelbereich ist nach dem Reiten oft nass und muss gut getrocknet werden – nasse Stellen unter dem Sattelgurt können zu Druckstellen führen, wenn das nasse Fell im Stall festklebt. Beine und Fesseln nach dem Reiten im Matsch oder Schnee abwaschen und trockenreiben – ansonsten weicht die Haut auf und es entstehen Mauke (Fessel-Dermatitis), eine häufige Winterkrankheit bei Pferden mit langen Fesseln.

Was tun bei Glatteis und vereistem Boden?

Bei Glatteis und spiegelglattem Boden sollte man nicht reiten – das Sturzrisiko für das Pferd ist zu hoch und eine Beinverletzung durch Ausgleiten kann gravierend sein. Stollen am Eisen oder Antislip-Produkte für Hufe sind vorbeugende Maßnahmen, ersetzen aber keinen sicheren Boden.

Stollen (Schrauben im Hufeisen) geben auf vereistem Untergrund deutlich mehr Halt – aber sie verändern die Druckverteilung im Huf und sollten nur mit Erfahrung oder nach Rücksprache mit dem Hufschmied eingesetzt werden. Auf lockeren Schnee kann man gut reiten – er bietet oft besseren Halt als man denkt. Gefährlich ist Eis unter einer dünnen Schneeschicht, das man nicht sieht. Im Zweifel: lieber einen Tag aussetzen als ein Pferd mit gebrochener Gliedmaße riskieren.

Fazit: Reiten im Winter – mit Vorbereitung kein Problem

Wer im Winter reitet, braucht mehr Zeit für Aufwärmen und Abkühlen, die richtige Ausrüstung für Reiter und Pferd und ein gesundes Urteilsvermögen bei Eis und extremer Kälte. Das Pferd profitiert von regelmäßiger Bewegung auch im Winter – und der Reiter von der frischen Luft und dem Kontakt zum Pferd, egal wie kurz der Tag ist.